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Die erste Ausgabe, 1996, von IEC 60300-3-3 ist vollständig überarbeitet worden und liegt nun in der zweiten Ausgabe vor. In diesem Teil von IEC 60300-3 wird eine allgemeine Einführung in das Konzept der Ermittlung der Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs (LCC)) zur Verfügung gestellt, die alle Anwendungen berücksichtigt. Obwohl zu den Lebenszykluskosten viele Elemente beitragen, werden in der Norm insbesondere diejenigen Kosten beleuchtet, die mit der Zuverlässigkeit eines Produktes zusammenhängen.
Heutzutage werden Produkte verlangt, die zuverlässig sind. Sie müssen ihre Funktionen ohne unzulässige Auswirkungen auf die Umwelt sicher erbringen und während ihrer Lebensdauer mit möglichst einfachen Mitteln instand gehalten werden können. Überlegungen zur Zuverlässigkeit sollten integraler Bestandteil des Entwurfsprozesses und der Bewertungen der Lebenszykluskosten sein. Die Zuverlässigkeit eines Produktes ist ein zusammenfassender Ausdruck, der dazu verwendet wird, die Verfügbarkeit und ihre Einflussfaktoren Funktionsfähigkeit, Instandhaltbarkeit und Instandhaltungsbereitschaft zu beschreiben. Alle diese Faktoren können einen deutlichen Einfluss auf die Lebenszykluskosten haben. Aus höheren Anfangskosten kann sich eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit und/oder der Instandhaltbarkeit und somit eine verbesserte Verfügbarkeit mit niedrigeren Betriebs- und Instandhaltungskosten ergeben.
Die Kaufentscheidung wird nicht nur durch die Anfangskosten (Beschaffungskosten) des Produktes beeinflusst, sondern ebenso durch die zu erwartenden Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung des Produktes während seiner Lebensdauer (Besitzkosten) sowie die Entsorgungskosten. Um die Kunden zufrieden zu stellen, besteht für die Hersteller die Herausforderung, zuverlässige und den Anforderungen entsprechende Produkte zu wettbewerbsfähigen Kosten zu entwickeln, indem die Beschaffungs-, Besitz- und Entsorgungskosten optimiert werden. Idealerweise sollte dieser Optimierungsprozess am Anfang des Produktlebens beginnen und so erweitert werden, dass alle während der gesamten Lebensdauer auftretenden Kosten einbezogen werden können. Alle Entscheidungen bezüglich des Entwurfs und der Fertigung eines Produktes berühren dessen Leistungsverhalten, Sicherheit, Funktionsfähigkeit, Instandhaltbarkeit, seine Instandhaltungserfordernisse u. Ä. und bestimmen letztlich dessen Preis sowie die Besitz- und Entsorgungskosten.
Bei der Erstellung der Produktspezifikationen sollten diese Überlegungen kritisch geprüft und während aller Entwurfsphasen kontinuierlich bewertet werden, um den Produktentwurf im Hinblick auf die niedrigsten Lebenszykluskosten zu optimieren.
Die Ermittlung der Lebenszykluskosten ist definiert als Prozess der wirtschaftlichen Analyse zur Einschätzung der gesamten Beschaffungs-, Besitz- und Entsorgungskosten eines Produktes. Diese Analyse liefert wichtige Eingabedaten für den Entscheidungsprozess bei Entwurf, Entwicklung, Nutzung und Entsorgung eines Produktes. Produkthersteller können ihre Entwürfe optimieren, indem sie Alternativen bewerten und Vergleichsstudien durchführen. Sie können verschiedene Betriebs-, Instandhaltungs- und Entsorgungsstrategien bewerten, um die Lebenszykluskosten zu optimieren. Die Analyse der Lebenszykluskosten kann auch wirkungsvoll angewendet werden, um die mit einer speziellen Tätigkeit verbundenen Kosten zu bewerten, z. B. die Auswirkungen verschiedener Instandhaltungskonzepte/Vorgehensweisen, wobei ein spezieller Produktteil oder nur ausgewählte Phase(n) im Lebenszyklus eines Produktes betroffen sein können.
Am wirkungsvollsten wird die Analyse der Lebenszykluskosten in den frühen Entwurfsphasen des Produktes angewendet, um den grundlegenden Entwurfsansatz zu optimieren. Sie sollte aber auch in den späteren Phasen des Lebenszyklus überarbeitet und zur Identifizierung von Kostenunsicherheiten und -risiken eingesetzt werden.
Wenn ein Produkt oder ein Service nicht verfügbar ist, können eine Reihe von Folgekosten entstehen, z. B. Gewährleistungskosten, Haftungskosten, Einnahmeverluste und Kosten für die Bereitstellung von Servicealternativen. Zusätzlich sollten weitere Folgekosten durch Anwendung von Risikoanalysetechniken identifiziert werden, um Kosten infolge nachteiliger Auswirkungen auf die Unternehmung festzustellen, z. B. Imageverlust, Rufschädigung, Prestigeverlust, was in der Folge zu Kundenverlusten führen kann.
Andere Faktoren verkomplizieren den Prozess der Ermittlung der Lebenszykluskosten; beispielsweise verändert sich der reale Wert des Geldes ständig und möglicherweise müssen Faktoren wie Opportunitätskosten, Inflation und Besteuerung berücksichtigt werden.
Diese Norm ist zur allgemeinen Anwendung sowohl durch Kunden (Nutzer) als auch Hersteller von Produkten gedacht. Es werden Sinn und Zweck der Ermittlung der Lebenszykluskosten und Grundlinien der damit verbundenen allgemeinen Vorgehensweisen erläutert.
Inwieweit der Prozess der Ermittlung der Lebenszykluskosten formal auf ein Produkt angewendet wird, hängt von den Kunden-/Vertragsanforderungen ab. Jedoch liefert die Analyse der Lebenszykluskosten nützliche Eingabedaten für jeden Entscheidungsprozess. Deshalb sollte sie so weit wie möglich in den Entwurfsprozess integriert werden, um die Produktmerkmale und -kosten zu optimieren.
Zur Vereinfachung der Projekt- und Programmplanung werden weiterhin typische Kostenelemente der Lebenszykluskosten bestimmt.
Im Anhang A sind für alle Phasen des Lebenszyklus typische kostenerzeugende Tätigkeiten beschrieben. Es werden für jede Phase einige typische Tätigkeiten aufgelistet, deren Kosten ermittelt werden sollten. Falls angebracht, sollten Kosten für zusätzliche Tätigkeiten berücksichtigt werden.
Im Anhang B werden die Auswirkungen von Diskontierung, Eskalation, Gelegenheitskosten, Inflation, Besteuerung und Wechselkursen auf die Lebenszykluskosten behandelt. Es wird darüber hinaus auf betriebswirtschaftliche Methoden wie Kapitalwertmethode, Interne-Zinsfuß-Methode, Aspekte von Abschreibung und Amortisation sowie auf die Kosten-Nutzen-Analyse verwiesen.
Der Anhang C enthält ein umfassendes Beispiel für eine Analyse der Lebenszykluskosten. In diesem Beispiel wird aufbauend auf der Produktaufbruchstruktur, den Kostenelementen, der Kostengliederungsstruktur, den Kostenarten sowie auf Zuverlässigkeits- und Instandhaltbarkeitsdaten eine Berechnung der Lebenszykluskosten durchgeführt und anhand von Sensitivitätsanalysen ergänzt.
Im Anhang D sind Beispiele für die Entwicklung von Lebenszykluskosten-Modellen enthalten. Es werden mögliche Wege aufgezeigt, wie Kostenelemente festgelegt und hierarchisch gegliedert werden.
Anhang E beschreibt ein Beispiel für eine Produktaufbruchstruktur für ein Eisenbahnfahrzeug und die zugehörige Zusammenfassung der Lebenszykluskosten.
Die Norm gilt bis zum Jahr 2009. Zu diesem Zeitpunkt wird sie entsprechend der Entscheidung des Komitees bestätigt, zurückgezogen, durch eine Neuausgabe ersetzt oder geändert. Eine Deutsche Fassung ist in Vorbereitung.