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Im November 2005 ist die zweite Ausgabe der Norm IEC 61000-4-5 erschienen. Es handelt sich hierbei um die Grundnorm für SURGE-Beeinflussungen elektrotechnischer und elektronischer Produkte aller Art. SURGE bezeichnet die elektromagnetischen Effekte (Transienten), die z. B. bei Blitzeinschlägen in der Umgebung des Einschlagpunktes oder beim Schalten großer Lasten zu verzeichnen sind. Das Ziel ist es, ein je nach den entsprechenden Umgebungsbedingungen einheitliches Niveau der Härtung elektrotechnischer Produkte bezüglich dieser Transienten zu erreichen.
Wie jede andere hat auch die neue Norm IEC 61000-4-5 keinen gesetzlich verbindlichen Charakter, jedoch wird sie in vielen Produktnormen oder Produktgruppennormen zur EMV-Störfestigkeit (EMV = Elektromagnetische Verträglichkeit) herangezogen. Diese Normen sind u. a. im Amtsblatt der EU unter der EMV-Richtlinie gelistet. Somit wird die Einhaltung von IEC 61000-4-5 faktisch zumindest in der EU für viele elektrotechnische Produkte verbindlich.
Die neue Fassung der Norm trägt wesentlich zur Verbesserung der Anwendung von SURGE-Beeinflussungstests bei. Es wurde insbesondere auf eine bessere Reproduzierbarkeit der Testergebnisse Wert gelegt. Dies wird durch eine erheblich klarere und damit für die Allgemeinheit besser verständliche Beschreibung der Tests erreicht. Hinsichtlich der Testspannungen werden vier Spannungen vorgeschlagen, wobei die niedrigste Spannung 0,5 kV und die höchste Spannung 4 kV beträgt. Außerdem wird klargestellt, dass in Abhängigkeit vom zu beeinflussenden Produkt (und dies sind nicht nur elektrische Geräte oder Baugruppen, sondern es kann sich genauso um vollständige Installationen/Anlagen handeln) auch andere Testspannungen zur Anwendung kommen können, d. h., es sind durchaus über 4 kV hinaus gehende Spannungen und auch jegliche Zwischenwerte vorstellbar. Die Festlegung der Testspannungen obliegt den jeweiligen Produktnormen.
Wichtig ist außerdem, dass auch bei Testspannungen unterhalb der maximalen Spannung generell getestet werden muss. So ist es vorstellbar, dass ein Testobjekt ohne weiteres 4 kV SURGE übersteht, weil z. B. ein Gasableiter den Energieimpuls ableitet, aber bei Beeinflussungsspannungen knapp unterhalb der Zündspannung des Gasableiters (z. B. 600 Volt) zerstört wird. Um solche Effekte zu verhindern, sind ausgeklügelte Kombinationen von Schutzelementen erforderlich. Diese Kombinationen sind natürlich auf die verschiedenen Interfaces anzupassen.
Der eigentliche Testimpuls 1,2/50 µs (Leerlaufspannung) bzw. 8/20 µs (Kurzschlussstrom) wurde gegenüber der Vorgängernorm nicht verändert. Außerdem erzeugen die Testgeneratoren einen 10/700-µs-Leerlaufspannungsimpuls und einen 5/320-µs-Kurzschlussstromimpuls; man spricht deshalb von so genannten Kombinationsgeneratoren.
Die neue Norm wurde durch erheblich verbesserte Zeichnungen für die verschiedenen Leitungssysteme (Netz-, Daten-, Signal- und Steuerleitungen) verständlicher. Außerdem wurde in den Text der Norm ein Entscheidungsdiagramm eingearbeitet, das dem Anwender präzise vorgibt, welche Einkopplungsart er in Abhängigkeit von der zu beeinflussenden Leitung zu wählen hat. Dies macht die Anwendung der Norm im Labor, aber auch unter Einsatzbedingungen erheblich einfacher.
Es bleibt also zu hoffen, dass die neue Norm IEC 61000-4-5 schnell und umfassend angewendet wird. Dies dürfte in jedem Fall für Produkte gelten, deren Produktnormen so genannte undatierte Verweise auf den SURGE-Test enthalten. Es gibt jedoch einige Produktnormen, die nach wie vor datierte Verweise, z. B. auf die Vorgängerausgabe von IEC 61000-4-5, enthalten. Aufgrund der erheblich verbesserten Anwendbarkeit der neuen Norm sollte man datierte Verweise auf die alte Norm nicht weiter beachten und nur die zweite Ausgabe anwenden.